Medizinische Mykologie (Pilzinfektionen)
 
Infektionen durch Candida albicans

Die medizinische Mykologie ist ein Fach ohne Grenzen.
Pilze breiten sich überall aus: beim Dermatologen, beim Gynäkologen, in der Geburtshilfe und beim Kinderarzt. Der Internist ist betroffen, wie der Chirurg, der Urologe, der Orthopäde, selbst Neurologen und Psychiater sind gefordert.
Die Mykologie steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. Dies macht verständlich, warum die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten ständig erweitert werden.
Hefepilze hatte man lange Zeit nicht für ernst genommen. Heute wächst die Einsicht, daß man unterscheiden muß zwischen Hefepilze, die natürlich sind, wie zum Beispiel Backhefe oder Kefirpilze und solche, die unter bestimmten Bedingungen das menschliche Gewebe angreifen und zerstören.
Es bedarf daher einer speziellen Ausbildung, die krankmachenden (pathogenen ) von den nichtkrankmachenden Pilzen unterscheiden zu können.

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Pathogene Hefepilze können alle Teile der Haut befallen, nicht nur die unbehaarte Haut. Auch die Haarfollikel sind oftmals in Mitleidenschaft gezogen, indem fadenbildende Hefepilze, wie z.B. Candida albicans um den Haarschaft herumwachsen und das Haar umspannen. Anschließend können diese Pilze in die Haarfollikel eindringen und sich in der Tiefe verborgen halten. Es entstehen juckende Herde, Rötungen und bisweilen auch kleine Pusteln. Eine Superinfektion ist möglich. Werden allerdings nur die Bakterien beachtet, bleibt die Dauerheilung aus.
Die weitverbreitete Meinung, es bestünde ein ökologisches Gleichgewicht zwischen Bakterien und Pilzen, ist falsch. Pathogene Pilze besitzen panzerbrechende Waffen: mit Hilfe ihres Enzymsystems schließen sie die Hornsubstanz auf und eröffnen die Lymphräume für die Einschleusung von Schmarotzerbakterien. Daß diese Bakterien die Funktion eines Antagonisten gegenüber humanpathogenen Pilzen zu übernehmen hätten, dafür spricht nichts. Es gibt weder in der Natur, noch im Labor einen generellen Antagonismus zwischen Bakterien und Pilzen, sondern nur zwischen ganz bestimmten und oft sehr begrenzten Gattungen, Arten oder gar Biotopen. Die Bakterien nehmen den Kampf gegen krankheitserregende Pilze nicht ab.

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Auch der viel zitierte Säuremantel der Haut bietet keinen Schutz gegen Pilze. Einerseits zerstören die Hautpilze im engeren Sinne - die Dermatophyten - diesen "Säureschutzmantel" indem sie Alkali freisetzen, andererseits leben zahlreiche Pilze, insbesondere Hefen, bei extrem niedrigen ph-Werten, wie sie auf der Haut nirgens vorkommen. Säureemfindlich dagegen sind zahlreiche Bakterien, hier ist der Säuremantel wirksam.
Mundhöhle, Hals, Nase, Ohren sind Eingangspforte oder Ansiedlungsorte für pathogene Pilze. Die Haut im äußeren Gehörgang reagiert mitunter allergisch. In dieser Situation ist sie für Pilzbefall besonders anfällig.
Die Atemwege sind normalerweise völlig frei von Pilzen. Wohl werden gelegentlich Pilzsporen eingeatmet, sie werden aber durch die Flimmerbewegung der feinen Härchen in den Bronchien wieder abgestoßen und mit dem Auswurf nach außen befördert. Eine Ansiedlung von Pilzen in den Atemwege ist immer krankhaft.

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In der Mundhöhle und im gesamten Verdauungskanal kommen Ansiedlungen von krankmachenden Hefepilzen so häufig vor, daß man von einer chronischen Infektion großer Bevölkerungskreise sprechen muß. Welche bisher nicht oder nur wenig beachteten Folgen eine chronische Hefepilzinfektion hat, wird erst allmählich erforscht, wie u.a. der Zusammenhang zwischen der Einflußnahme der Hefepilze im Darm auf Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Psoriasis.
Für die Ausheilung der meisten Krankheiten ist ein inneres Gleichgewicht insbesondere des Magen-Darm-Trakts von sehr großer Wichtigkeit. Pathogene Pilze, wie z.B. Candida albicans sind in der Lage, dieses Gleichgewicht ständig neu zu stören. Auch die schädliche Wirkung der giftigen Alkohole, die von den Gärungshefen produziert werden, auf die Leber, ist bisher noch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht worden.
Daher ist unbedingt zu empfehlen, abzuklären, ob es sich um eine pilzbedingte oder nichtpilzbedingte Erkrankung handelt. Dies erfordert ein spezielles mykologisches Wissen.

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Eine Erschwernis der für die erhoffte rasche Dauerheilung ist auch die Tatsache, daß weit auseianderliegende Gebiete des Körpers von den gleichen Pilzen befallen sein können, z.B. zwischen den Zehen, im Genitalbereich, in der Mundhöhle, im Rachen, in der Luftröhre und Bronchien oder auch im Verdauungstrakt.
Werden nicht alle Herde therapeutisch erfaßt, kommt auf die Dauer immer wieder Pilznachschub aus den nicht sanierten Gebieten. Diese nicht ausgeheilten Fälle sind der Grund dafür, daß das Ziel einer raschen Heilung nie erreicht wird.
 

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Nachweismethoden

Die Technik der Untersuchung auf Pilze unterscheidet sich erheblich von der Methodik, die zum Nachweis von Bakterien angewendet wird. Sie ist viel aufwendiger. Das Untersuchungsmaterial wird in den meisten Fällen speziell aufgearbeitet, bis es mit Aussicht auf Erfolg mikroskopisch oder mit Hilfe von Pilzkulturen untersucht wird.
Untersuchungsmaterialien von Haut, Nägel und Haaren dienen zur Feststellung von topischen Infektionen, während man vor allen Dingen mit einem Mundabstrich und Stuhlproben eine mögliche intstinale Mykose nachweisen kann. Bei Stuhlproben ist zu beachten, daß die Pilze - meist Hefepilze - nicht gleichmäßig verteilt sind wie Bakterien, sondern nesterweise angesiedelt sind. Daher ist es wichtig, über die Materialgewinnung gut informiert zu sein.
Zu einer ganzheitlichen Diagnostik gehört auch immer ein Genitalabstrich.

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Therapie

1. Medikamentös
Gegen krankmachende Hefepilze sind vor allen Dingen Nystatin und Amphotericin B wirksam. Sie besitzen eine ausgeprägte fungizide (" pilzabtötende") Wirkung. Ganz besonders wichtig sind zwei Tatsachen:
· Die Arzneistoffe werden praktisch nicht von der Schleimhaut aufgenommen, sie verbleiben solange im Hohlraum des Verdauungstrakts bis sie wieder ausgeschieden werden. Sie gelangen somit nicht in den Blutkreislauf und stellen daher kaum eine Belastung für den Organismus dar. Das bedeutet auch eine hohe Wirksamkeit gerade dort, wo die wichtigsten Pilzreservoire sitzen, von denen Rückfälle ausgehen und deren Beseitigung dringend erforderlich ist.
· Gegen Nystatin und Amphotericin B findet keine Resistenzentwicklung statt, die zur Unwirksamkeit führen würde. Die Empfindlichkeit der verschiedenen Hefen schwankt von Natur aus. Dies wird bei den empfohlenen Dosierungen berücksichtigt.
Zur Normalisierung der Darmflora wird ein Bifiduspräparat eingesetzt, um die krankmachenden Pilze zusätzlich zu verdrängen.

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2. Ernährung
Die spezielle Anti-Pilz-Diät beruht auf zwei Prinzipien:
· Das Kohlenhydratangebot in der Nahrung muß deutlich verringert werden, damit den Hefen der wichtige Bau- und Betriebsstoff mehr und mehr entzogen wird. Damit wird die Vermehrung der Pilze deutlich verlangsamt.
· Die wichtigsten Schlupfwinkel für die Hefen sind die Zottenzwischenräume im unteren Zwölffingerdarm und im Dünndarm. Zwischen den 4 Millionen Darmzotten können sich große Mengen Pilznester befinden, die nur mit Hilfe von Pflanzenfasern (Ballaststoffen) mechanisch ausgeräumt werden. Dadurch gelangen auch die Arzneistoffe bis in die tiefsten Winkel, so daß auf diese Weise tatsächlich eine Darmsanierung möglich ist. Eine solche Anti-Pilz-Diät - für die es spezielle Merkblätter gibt - muß solange streng durchgeführt werden, bis die Pilze aus dem Stuhl verschwunden sind. Nach der 1. negativen Stuhlprobe kann die Diät gelockert werden, nach dem 3. negativen Ergebnis geht man wieder zur normalen Vollwertkost über.

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3. Richtlinien während der Therapie
Während der Therapie hat der Patient bestimmte Punkte zu berücksichtigen, die ebenfalls in Form von Informationsblättern zur Verfügung stehen (z.B. Partnerbehandlung , Hygiene etc.).